Über das Meer – Auf der wohl gefährlichsten Migrationsroute unserer Zeit

Maroden Booten, den Schleppern und dem Wohlwollen der Küstenwache ausgeliefert – Der Weg in ein vermeintlich besseres Leben führt viele Flüchtlinge aus Ländern wie beispielsweise Syrien, Lybien und Eritrea über ein besonders gefährliches Hindernis: Das Meer.

Der Schrecken der Überfahrt sitzt auch in Metzingen noch tief

Auch einige der in Metzingen lebenden Asylbewerber haben diese Route gewählt – einige schafften es in 10 Stunden, andere waren Tage auf dem Meer unterwegs, wieder andere möchten nicht darüber sprechen – zu tief noch sitzen die Schrecken der Überfahrt, die den Europäern vor allem durch Begriffe wie Lampedusa, Mare Nostrum und Frontex bekannt wurden, in den Knochen.

Das Leben für ein besseres Leben riskieren

Die UNHCR schätzt, dass im vergangenen Jahr rund 218.000 Menschen über den Seeweg nach Europa kamen, 3.500 starben im Mittelmeer. Die Dunkelziffer ist wohl deutlich höher. Es ist wohl kaum vorstellbar, dass es jemanden gibt, der diesen lebensgefährlichen Weg freiwillig, also wirklich aus freien Stücken wählt. Der Reutlinger Autor und Journalist Wolfgang Bauer jedoch ist so ein Mensch. Er hat sich gemeinsam mit seinem Freund und Kollegen Stanislav Krupar als Flüchtling ausgegeben und bei einer Schlepperbande eine Überfahrt von Alexandria nach Italien gebucht. Um zu erfahren, wie das abläuft, so eine Überfahrt. Um die Menschen zu verstehen, die ihr Leben riskieren, um ein besseres in Europa zu finden. Und um uns Europäern einen Eindruck geben zu können, dass sich hinter den 218.000 Bootsflüchtlingen auch 218.000 Einzelschicksale verbergen.

Flüchtlinge, Autor, Leser – alle sitzen im selben Boot

Mit „Über das Meer“ hat Bauer ein Buch geschrieben, dass ehrlicher nicht sein könnte. Es handelt von konkurrierenden Schlepperbanden, von einer bestechlichen Küstenwache, von Gefängnisaufenthalten, unzähligen Entführungen und vor allem von dem großen Geschäft mit dem Traum von Freiheit. Die Reise der beiden Journalisten endete auf einer kleinen Insel kurz vor der ägyptischen Küste, beziehungsweise in einem ägyptischen Gefängnis. Doch Bauer gibt auch einen Einblick in die Geschichte dreier Bekannter, die er auf der Reise kennenlernte. Ihre Wege trennten sich vor dem Gefängnis, doch Bauer hält den Kontakt zu ihnen und gibt seinen Lesern einen Einblick in ihre ganz unterschiedlichen Routen nach Europa.

Ausstellung in Metzingen

„In Europa dann geht das Geschäft mit den Flüchtlingen weiter“, erklärt der Wahlreutlinger und Autor der Zeit bei einer Lesung in der Stadtbücherei Metzingen. „Gerade in Griechenland und Italien werden Hotelzimmer und Privaträume für  Flüchtlinge gerne vermietet – denn sie zahlen gut, um nicht verraten zu werden.“ Auch haben Passfälscher und Informationsgeber Hochkonjunktur. Bei seinem Vortrag erlebt man Wolfgang Bauer als bescheidenen und sachlichen Berichterstatter. Die Bilder der Ausstellung hingegen zeichnen ein anderes Bild seiner Erlebnisse. Kleine Boote, vollgestopft mit Menschen, darunter viele Kinder, die Angst und die Hoffnung in den Augen der Flüchtlinge, die oftmals ihr ganzes Vermögen in eine Überfahrt steckten und das Meer, dieses unheimlich weite, blaue Meer, zeigen, dass Wolfgang Bauer und Stanislav Krupar mit ihrer Reportage einen längst fälligen Augenzeugenbericht verfassten, der die Flüchtlingspolitik Europas überdeutlich in Frage stellt.

 

Info:

Das Buch:

Titel: Über das Meer – Mit Syrern auf der Flucht nach Europa
Autor: Wolfgang Bauer, Bilder von Stanislav Krupar
Verlag: Suhrkamp Verlag

Die Ausstellung:

Die Fotoausstellung der Bilder von Stanislav Krupar ist noch bis 20. April 2015 in der Stadtbücherei Metzingen zu sehen (zu den normalen Öffnungszeiten).

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