Vermieter und Nachbarn gesucht

Monate lang warten Asylsuchende auf die Entscheidung, ob sie in Deutschland bleiben dürfen oder nicht. Sind dann die heiß ersehnten „Papers“, also die Anerkennungspapiere da, beginnt für die Flüchtlinge der erste Schritt ins selbstbestimmte neue Leben in Deutschland.

Die Erwartung an die anerkannten Flüchtlinge ist groß: So schnell wie möglich sollen (und wollen) sie auf eigenen Beinen stehen können. Doch dabei hapert es gleich zu Beginn an etwas ganz Grundlegendem: einer eigenen Wohnung.

 

Die wichtigsten Fragen der Vermieter – und ihre Antworten

Der Wohnraum in Metzingen ist knapp. Zudem haben viele Vermieter Bedenken, ihre Wohnung an einen Flüchtling zu vermieten und jede Menge Fragen.

Wir haben die häufigsten von ihnen hier beantwortet.

1. Warum ist eine eigene Wohnung so wichtig?

Bis sie in Metzingen ankamen, haben die meisten Asylbewerber überall eine „Bleibe“ gefunden: in Obdachlosenheimen, auf Booten, auf der Straße, auf Parkbänken, in Bussen oder bei Privatleuten. Aber auch Hotels reihen sich in die Erzählungen der Unterkünfte mit ein. In Deutschland angekommen, stehen ihnen in Flüchtlingsunterkünften 4,5 Quadratmeter Wohnraum zu – auch in Metzingen. Gerade Alleinstehende teilen sich deswegen auf engstem Raum ein Zimmer, das eine Privatsphäre unmöglich macht. Die eigenen vier Wände sind für eine gelungene Integration in Deutschland unserer Ansicht nach ein wichtiger Punkt, um ein selbstbestimmtes Leben führen sowie hier Fuß fassen zu können.

 

2. Was ist an den Vorurteilen gegenüber Flüchtlingen dran?

Glaubt man den gängigen Vorurteilen, sind Flüchtlinge laut, unordentlich und undiszipliniert. Sie gelten oft mehr als unliebsamer Störenfried denn als partnerschaftliche Nachbarn. In wenigen Fällen, das wollen wir gar nicht kleinreden, mag das stimmen. Doch das ist kein Flüchtlings-Phänomen. In den meisten Fällen zeichnet die Flüchtlinge vor allem aus, dass sie sich an die deutsche Kultur und Gesellschaft anpassen wollen. Themen wie Mülltrennung, Mittagsruhe und Kehrwoche müssen sie jedoch erst mal kennenlernen – ein Anleitungsprozess, den wir mit vielen Infoaktionen und persönlicher Unterstützung bereits mehrfach erfolgreich fördern konnten. Natürlich stehen wir vom Arbeitskreis Asyl bei Problemen gerne als Ansprechpartner und wenn das jemals notwendig werden sollte auch als Schlichter zur Verfügung.

 

3. Welche Voraussetzung muss die Wohnung erfüllen?

Für die Wohnungen der Asylanten bestehen klare Vorgaben des Jobcenters. Je nachdem, wie viele Personen eine Wohnung beziehen, sind die maximalen Mietkosten (Kaltmiete) sowie die maximale Quadratmeterzahl vorgegeben. Außerdem gibt es je nach Wohnungsort verschiedene Stufen, nach denen die maximale Miete pro Quadratmeter vorgegeben ist.

Zum besseren Verständnis haben wir das in einer Tabelle zusammengefasst:

 

Mietobergrenzen der Kaltmiete

Mietobergrenzen der Kaltmiete (Klick zum Vergrößern)

 

4. Kann ich mir meine Mieter aussuchen?

Wie bei jeder Vermietung kann sich der Vermieter natürlich selbst aussuchen, wem er seine Wohnung vermieten möchte und wem nicht. Da wir vom Arbeitskreis Asyl die Metzinger Asylanten in der Regel gut kennen, helfen wir zusammen mit dem Sozialarbeiter des Landratsamtes gerne bei der Suche nach dem geeigneten Mieter weiter – wie bei einer Art Vermittlungsbörse. Ist Ihre Wohnung eher für eine Familie, einen Alleinstehenden oder lieber ein Seniorenehepaar geeignet? Sie kennen Ihre Wohnung und Ihr Umfeld am besten, wir die Metzinger Flüchtlinge. Bringen wir beides zusammen!

 

5. Erhalte ich Unterstützung, wenn ich Probleme mit dem Mieter habe?

Ein gutes Miteinander ist für uns das A und O. Unsere Vorstellung von einem gelebten Miteinander beruht nicht nur auf einer Seite – wir erwarten trotz allem teils schrecklichem Erlebten von den Flüchtlingen, dass sie sich den hiesigen Gepflogenheiten anpassen. Diese zu vermitteln sehen wir als eine unserer Hauptaufgaben, und wir rennen damit oft offene Türen ein. Um diese Frage also zu beantworten: Ja! Auf Wunsch stellen wir einen „Integrations-Partner“, der regelmäßig in der Wohnung nach dem Rechten sieht und bei Problemen weiterhilft. Und das selbstverständlich unparteiisch!

 

6. Müssen die Wohnungen unbedingt in Metzingen sein?

Nein. Das Jobcenter sieht vor, dass anerkannte Flüchtlinge auch im Großraum Metzingens wohnen können. Wichtig ist für die Flüchtlinge jedoch, dass die Integration durch einen entlegeneren Wohnort nicht gefährdet wird, vor allem der Besuch der Sprach- und Integrationskurse sollte durch eine gute Anbindung an die öffentlichen Verkehrsmittel gewährleistet sein.

 

7. Wer zahlt die Miete?

Während der Flüchtling noch kein eigenes Einkommen eines gewissen Betrages erhält, werden die Mietkosten vom Jobcenter Reutlingen bezahlt.

 

8. Darf ich als Vermieter regelmäßig in die Wohnung, um nach den Rechten zu sehen?

Hier gilt gleiches Recht wie bei jedem anderen Mietverhältnis auch – eine Art Routinekontrolle ist nicht (so einfach) machbar. Da aber in der Regel der Arbeitskreis als „Integrations-Partner“ zur Seite steht, ist die Wohnung jedoch nicht völlig vogelfrei dem Mieter überlassen.

 

Ihre Frage ist nicht dabei? Wir beantworten Sie gerne!

Haben Sie eine geeignete Wohnung und würden sie einem Flüchtling anbieten wollen? Dann melden Sie sich ganz unverbindlich bei uns – wir freuen uns auf Ihre Nachricht!

info@arbeitskreis-asy-metzingen.de

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